Bischof Ulrichs von Passau
So sicher es ist, dass die Pfarre Weiten eine Passauer Gründung ist, so unsicher bleibt das Gründungsjahr. Die Urkunde Nr. 11 im Stiftsarchiv Göttweig ist keine Gründungsurkunde für Weiten, sondern eine, auf das Jahr 1096 vordatierte und deshalb unechte Bestätigungsurkunde über den Göttweiger Pfarrbesitz. Bei der Beschreibung der Pfarrgrenzen von Kottes wird der Bach Feistritz und das Gut eines gewissen Edlen Gerunc (= Kleingerungs) genannt, der ,,ad vicinam parrochiam Witin" gehört. Die Pfarre Weiten wird also als bereits bestehend vorausgesetzt und als benachbart erklärt. So enthält die genannte Urkunde nichts über die Pfarrgründung, wohl aber die erste Nennung von Weiten.
Die Kirche Kottes wurde von Bischof Reginmar von Passau, kurz nach seinem Amtsantritt 1121, geweiht und zur Pfarrkirche erhoben. Um die Rechtsstellung Göttweigs abzusichern, ist es ca. 1124 zu dieser Fälschung gekommen, die sich als Bischofsurkunde Ulrichs I. aus 1096 ausgibt, und sich mit der Autorität dieses großen Gönners des Stiftes Göttweig umkleidet (P. Dr. Ildefons Fux OSB).Anschließend ein Detail aus der unechten Ulrichs-Urkunde: mit "WITIN".
Folgende Übersetzung stammt von P. Dr. Benedikt Wagner OSB, Stift Seitenstetten.
"Allen Kindern der heiligen Mutter Kirche sei kund und zu wissen, daß ich, Ulrich, durch Gottes Gnade Bischof der Kirche von Passau, alle Pfarren mit ihren seit altersher festgelegten Grenzen, die mein Vorgänger, Bischof Altmann seligen Angedenkens, auf den Altar der heiligen Maria auf dem Göttweiger Berg gestiftet und den Brüdern dieses Orts zur Fürsorge anvertraut hat, in der Hoffnung auf die ewige Vergeltung kraft meiner kirchlichen Amtsgewalt bestätigt und durch mein aufgedrücktes Siegel deutlich gemacht habe, daß niemand sich unterfangen dürfe, etwas davon zu beeinträchtigen, oder etwas zu vermindern wage. ...
Die Grenze der Pfarre an dem Ort, der Kottes heißt, verläuft bei der Grie folgendermaßen: von Kalkgrub bis zum Ötzbach, von diesem über den Schwarzberg bis zu einem gewissen kleinen Dorf des Narcho, welches innerhalb dieses Bezirkes liegt, von dort bis zu dem Fluß, der Feistritz heißt, von hier bis zum Gut eines gewissen Adeligen namens Gerung, der zur nahen Pfarre Weiten gehört, von dort zu einem Gut eines gewissen Otto und Berthold, adeliger Gefolgsleute des Markgrafen Leopold, was alles innerhalb der Grenze der oben genannten Pfarre (Kottes) liegt, von da zu einem Fluß, der Scyi genannt wird, und in den ganzen ringsum liegenden Forst und Urwald bis zur Quelle des Baches der Kleinen Krems, von der Kleinen Krems bis zur Großen Krems in Richtung auf den Böhmerwald, der jenseits der Krems liegt, darauf wieder durch denselben Forst und Urwald bis zu einem hohlen Stein, der in der Bauernsprache Teufelskirche genannt wird, und der Grenzverlauf kehrt zurück bis dorthin, wo die Kleine Krems in die Große mündet." ...
Fundort: Stiftsarchiv Göttweig.
Edition: Adalbert Fuchs, Urkunden und Regesten zur Geschichte des Benediktinerstiftes Göttweig, 1. Teil, Wien 1901, Nr. 11, S. 21-25. |