|
Am
Südrand des Waldviertels, 4 km von Weiten, liegt zur Rechten,
also auf der steil abfallenden linken Talwand des Weitentales, die
Burgruine Streitwiesen (heute Jugendburg), die dem Ort den Namen gab
und in der Geschichte - auch für Weiten - geschrieben wurde.
Streitwiesen
war die Stammburg des österreichischen
Ministerialiengeschlechtes der Streitwieser; 1144 kommt als erster
urkundlich genannter Zeuge aus dieser angesehenen Familie ein Ozo von
Streitwiesen auf einem Schenkungsbrief an die Pfarre Münchreut
(Münichreith am Ostrong) vor. Die Bedeutung des Geschlechtes der
Streitwieser am Hofe der Babenberger läßt sich deutlich
aus einigen Begebenheiten nachweisen.
In
der Streitwieser Wappensage wird über die Geschichte der
Namensgebung berichtet. Zwei Brüder aus altem Geschlecht hatten
sich verfeindet. Der eine, der als väterlicher Erbe, die seit
alter Zeit dem Geschlecht zugehörigen Güter, dazu die Burg
seines Vaters bekommen hatte, bot seinem Bruder, der sich gegenüber
eine neue Burg erbaut hatte, wiederholt die Friedenshand an, die
dieser immer wieder ausschlug. Der Bruderzwist führte zur Fehde
und diese wurde in einem blutigen Zweikampf auf der Wiese zwischen
den beiden Burgen ausgetragen, wo der friedfertige Bruder erschlagen
wurde.
Diese
Legende soll dem Wappenbild der Streitwieser zugrundeliegen und ist
auch im Wappen der Marktgemeinde enthalten. Vielleicht waren die
beiden Hände ursprünglich tatsächlich offen
dargestellt?
Im
Laufe der Jahrhunderte gab es eine wechselvolle Geschichte dieser
einst so stolzen Burg. Im Jahre 1797 gelangten Gut und Burg
Streitwiesen an die Herrschaft Pöggstall und damit in den Besitz
der Familie Habsburg. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde die Burg
immer mehr dem Verfall überlassen, Dachung und Steine wurden
wahrscheinlich um 1860 abgebrochen und verkauft.
In
den Besitz des Kriegsgeschädigtenfonds wanderte der Besitz im
Jahre 1919 und unter die Verwaltung der Österreichischen
Bundesforste gestellt. Nach Auflösung des Fonds nahm die
Republik Österreich die Burg in ihren Besitz.
Ein
Meilenstein in der jüngsten Geschichte war wohl der Erwerb durch
den Bund zur Errichtung und Erhaltung einer österreichischen
Jugendburg im Jahre 1972.
Eine
engagierte Gruppe um Hofrat Ing. Karl Turetschek plante,
organisierte, schuf die finanziellen Voraussetzungen und erfüllte
mit vielen Gruppen aus dem In- und Ausland die Burg mit neuem Leben.
Wandergruppen lagerten hier, schufteten für den Wiederaufbau,
viele fleißige Hände legten Stein auf Stein und die
einstige Ruine wurde zur blühenden Jugendburg. Kultur,
Wanderfahrten, Feste, Feierlichkeiten und Ausstellungen wurden und
werden abgehalten und der Name Streitwiesen wieder in die Welt
hinausgetragen. Natürlich nagt der Zahn der Zeit an dem Bauwerk
und es müssen immer wieder umfassende Sanierungsarbeiten
vorgenommen werden.
So
konnte auch die Burgkapelle instand gesetzt werden und ein Glöcklein
mahnt die Gläubigen in Streitwiesen und im nahen Rafles zum
täglichen Gebet.
Streitwiesen
hatte ein reiches wirtschaftliches Leben. So entstand um 1600 ein
Gasthaus (Dallinger), das als einziger Gewerbebetrieb in Streitwiesen
übrig geblieben ist. Ab 1923 betrieb die Familie Höchtl
eine Mühle und ein Sägewerk, von wo aus Streitwiesen mit
elektrischem Licht versorgt wurde. Eine technische Revolution gab es
um 1926, als die Familie Lackner einen Lkw ankaufte, der zum
Holztransport diente. Franz Koller (Rafles) eröffnete anfangs
der fünfziger Jahre einen Wagnereibetrieb; auch ein Schuster war
in Streitwiesen zu finden.
Etwas
oberhalb von Ort und Jugendburg Streitwiesen befindet sich der kleine
Ort Rafles, der im Jahre 1465 als Raflein und danach im Jahre 1486
Räfleinß genannt wird (Sitz eines Rabilin).
In
diesem Dorf stand seit altersher die Land- und Forstwirtschaft an
vorderster Stelle, erst vor kurzem hat sich ein gewerblicher Betrieb
angesiedelt. Im Ort selbst befindet sich eine kleine Marienkapelle.
Diese wurde aus Mauerwerk errichtet und am 6. September 1936 erstmals
geweiht. Vorher bestand nur ein hölzerner Glockenturm, wo eine
Glocke mit folgender Inschrift zum Gebet ruft: ,,Durch die Gnade
Ihrer Majestät der Kaiserin Carolina Augusta 1869”. Also im
Jahre 1869 von der Kaiserin gespendet. Nach einer gründlichen
Sanierung (unter der Leitung von Pfarrgemeinderat Karl Schmidt) wurde
diese Marienkapelle am 13. August 1977 von Pfarrer Franz Marchart
geweiht.
Friedrich
Reiner
Quellen:
Festschrift
,,100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Weiten”, Weiten 1973
Jugendburg
Streitwiesen, Herausgegeben vom Bund zur Errichtung und Erhaltung
einer österreichischen Jugendburg; Hofrat Ing. Karl Turetschek
|