Seiterndorf

Der Ort erscheint im Jahre 1300 als Sitz eines adeligen Geschlechts. Genannt werden ein Wolfram von ,,Seytendorf” und 1365 ein Wolfhard der Seiterndorfer. Sie waren die Burghüter oder Lehensträger der Feste, diese kam 1789 an die Herrschaft Artstetten, die das Anwesen 1870 an einen Bauern verkaufte. Im Haus Nr. 13 sind noch Reste verborgen. In der Zwischenkriegszeit war noch ein fast vollständig erhaltener mittelalterlicher Bau vorhanden, der nach dem Zweiten Weltkrieg etwa zur Hälfte Neubauten weichen musste.

Zwischen den Häusern 12 und 13 steht eine Kapelle, die der hl. Katharina geweiht wurde. Weiters sind in der Kapelle Figuren des hl. Nepomuk und des hl. Florian sowie ein Kruzifix aus dem 19. Jahrhundert vorhanden. Diese Kapelle wird bereits 1359 bei einer Stiftung für eine Wochenmesse genannt. Noch immer werden zu bestimmten Anlässen heilige Messen gefeiert.

Durch Seiterndorf führte die ehemalige Poststraße. ,,Diese Straße benützte Kaiser Franz I. bei Besuch seiner Güter wiederholt und wurde er samt der Kaiserin am 2. August 1814 auf der Fahrt nach Pöggstall um 7 Uhr abends in Seiterndorf von der Herrschaft Artstetten mit Pöllerschüssen, Ansprachen, Musik und Darreichung eines Blumenstraußes begrüßt.” (Aus: ,,Heimatkunde des politischen Bezirkes Pöggstall”, Plesser, 1928.)

Folgende Handwerker belebten den Ort: es gab einen Schuster, einen Schneider, eine Greißlerei und ein Wirtshaus. Durch den Zeitenwandel wurden die Handwerksbetriebe durch folgende Dienstleistungsbetriebe ersetzt: Transportunternehmen, Mietwagengewerbe, EDV-Betrieb und Vermögensberater.

Richtung Weiten, auf einer Anhöhe, befindet sich das Spielerkreuz. Der Name ergab sich durch eine Sage von drei Männern, die zur Weihnachtszeit mit einem Fremden Karten gespielt hatten, wobei einem eine Karte zu Boden fiel und er dabei sah, dass dieser einen Pferdefuß hatte, also der Teufel war. Als der Teufel sich entdeckt wähnte, nahm er die sündigen Mitspieler mit in die Hölle. Im Gedenken an dieses unheimliche Ereignis wurde das Spielerkreuz errichtet.

Auf dieser Erhebung gibt es bei klarem Wetter eine gute Fernsicht zum Ötscher sowie zum Schneeberg und zur Rax.

In Seiterndorf gab es auch einige tragische Ereignisse. Am 30. Mai 1842 verunglückte der 26-jährige Michael Punzengruber bei Holzarbeiten. Zum Gedenken steht ein gemauertes Marterl neben der Straße nach Weiten. Am 13. Oktober 1913 erschlug bei einem Gewitter ein Blitz die Bauern Johann Strasser (58 Jahre, Seiterndorf 1) sowie Josef Kugler (56 Jahre, Seiterndorf 4) auf einem Feldweg Richtung Dölla. Am 9. November 1987 verunglückte der Landwirt und damalige geschäftsführende Gemeinderat Josef Lagler mit dem Milchtransportauto in Lohsdorf tödlich. Es stehen noch einige Wegkreuze in der Nähe von Seiterndorf, worüber es aber keine Aufzeichnungen gibt.

Auch Seiterndorf wurde von der schlimmen Hagelkatastrophe am Freitag, dem 13. Juli 1984, nicht verschont. Es gab kein Haus, das schadlos davonkam. Das Bundesheer leistete vollsten Einsatz.

Seiterndorf liegt auf einer Seehöhe von 510 Meter und war bis vor einigen Jahren der zweitgrößte Ort nach Weiten. Derzeit kann Seiterndorf 40 Häuser vorweisen und es besitzt eine eigene Feuerwehr.

Die Orte Eitental, Mörenz und Seiterndorf bildeten eine Gemeinde mit dem Namen Seiterndorf. Vor der Gemeindezusammenlegung im Jahre 1968 war Johann Toifl aus Mörenz Bürgermeister und Josef Lagler sen. aus Seiterndorf Vizebürgermeister.

Der ehemalige Besitzer der Mollenburg und Buchautor Dr. Jörg Mauthe zitierte in seinem Buch ,,Demnächst” folgenden Ausspruch: ,,Seiterndorf ist eine eigene Republik.” Diese Aussage ist aber nicht negativ zu werten, sondern soll den Zusammenhalt der Dorfbewohner aufzeigen.

Die Landwirtschaft überwiegt derzeit noch in Seiterndorf, obwohl die meisten Betriebe nur mehr im Nebenerwerb geführt werden.

Vizebürgermeister Josef Haberl


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