Filsendorf

Von den ersten urkundlichen Erwähnungen werden in den ,,Geschichtlichen Beilagen zum St. Pöltner Diözesan-Blatt”, XIII. Band, 1951, als älteste genannt:

,,Um 1290 führt ein Vrbarium des Stiftes Melk folgende Güter dieses Stiftes im V.O.M.B. auf: Redditus in officio Vilsendorf: in Zels 2 Lehen, [...] in Vilsendorf

2 Höfe und eine Hofstätte, [...]

1300 verleiht Chunrad von Werde (auf Mollenburg) der Alhayd, Hausfrau des Rennolt von Turtendorf (Tottendorf), und ihren Kindern zu Wilsendorf (Filsendorf) ein halbes Lehen und eine Hofstätte und zu Turtendorf ein halbes Lehen und einen halben Weingarten.”

Da es keine einheitliche Rechtschreibung gab, wurde der Name immer wieder anders geschrieben:

Vilsendorf, Wilsendorf, Filzsendorff, Vilssendorf,

Vilßendorf, Filsendorff, Filssendorff

1307 verkaufte Konrad der Molnberger von Werde zwei Lehen und eine Hofstätte dem Konrad von Streitwiesen. Dieser beurkundete auch 1306, dass das Kloster Melk seinen Wirtschaftshof in Filsendorf, Amthof genannt, mit zwei Hofstätten und den Waldbergen Panholz und Ger einem Albero um 9 Pfunde übergeben habe. Die Meißauer hatten 1430 hier Zehente, welche vom Bistume Passau lehenbar waren (Blätter 1881 66). Zur Mollenburg gehörte 1486 ein Gut (Landesarchiv Wien, Gültbuch 6 M B,11). Irnfried von Rotenhof vertauschte vor 1558 hiesige Gülten (Reil 145). Das Kloster Admont veräußerte solche 1571 dem Josaphat Isperer zu Melk, der zwei Untertanen hatte (Schlossarchiv Persenbeug). Später stand Filsendorf unter der Obrigkeit und dem Landgerichte Leiben.


Soweit zur ,,Urgeschichte”. Jetzt aber in unser Jahrhundert:

Filsendorf war bis 1. Jänner 1969 eine selbstständige Gemeinde. Sie bestand aus den drei Dörfern Filsendorf, Eibetsberg und Weiterndorf. Das waren insgesamt

21 Bauernhöfe. Es war die kleinste Gemeinde im Bezirk. Nach mündlichen Überlieferungen gehörte in Filsendorf der Hof Nr. 8 zur Herrschaft Leiben und war das größte Anwesen im Dorf. Später wurde es Privatbesitz. 1902 wurde es von der Familie Johann und Anna Eder erworben und bis 1980 neben der Landwirtschaft als Dorfgasthaus geführt. Viele Wanderer und Touristen machten in Filsendorf Rast. Es war für sie eine beliebte Jausenstation, bevor sie den Jauerling bestiegen.

1911 sorgte ein Gewitter für große Aufregung, durch Blitzschlag brannten das Haus und der Hof der Fam. Heinrich Diendorfer nieder. Im nächsten Jahr (29. September 1912) wurde der Hof Nr. 3 der Fam. Leopold Eder durch spielende Kinder angezündet. Ein plötzlich einsetzender Wind übertrug das Feuer auf sechs weitere Höfe. Vom Brand verschont blieben nur das Anwesen der Familie Johann Eder (Nr. 8) und der Familie Leopold Eder (Nr. 11).

Die ganze Ernte war eingebracht und somit vernichtet. Der Wiederaufbau gestaltete sich sehr schwierig, weil der Winter vor der Tür stand. Baumaterialien konnten damals nur mit Ochsengespann transportiert werden. Für die Filsendorfer einfach ein Schicksalsjahr.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, waren die Bewohner noch nicht von 1912 erholt. Viele Bauern und Söhne mussten einrücken und ihr Leben lassen. In den Wirtschaften blieben nur Frauen, Kinder und alte Männer zurück.

Als 1918 der Erste Weltkrieg zu Ende war, brachten heimkehrende Soldaten die Ruhr (eine gefährliche Durchfallerkrankung) mit ins Dorf. Rasch verbreitete sich die Krankheit und es mussten wegen Medizinmangels mehrere Menschen sterben.

Aus Dankbarkeit, dass alle drei Söhne aus dem Krieg heimkamen, errichtete die Familie Diendorfer die Lourdes-Grotte.

Nach dem Ersten Weltkrieg war der Bürgermeister in Eibetsberg und hieß Johann Bernhofer. Zwischen den beiden Weltkriegen war bestimmt keine leichte Zeit für Bauern und Arbeiter. Trotz allem machte Filsendorf auf sich aufmerksam. Jeder Hof hatte damals seinen eigenen Brunnen. Im Sommer, bei Trockenheit, war des Öfteren Wassermangel. Außerdem musste das Wasser geschöpft und die Tiere mit Butten (Kübel) getränkt werden. Man träumte im Dorf von einer Wasserleitung. Beherzte Männer holten sich von der ersten Wasserleitung im Bezirk Pöggstall, aus Tumling, Informationen. Es wurden geeignete Quellen gesucht. Das Amt der NÖ Landesregierung übernahm die Planung und Überwachung des Vorhabens. Die Filsendorfer mit ihren verhältnismäßig kleinen Wirtschaften leisteten ganze Arbeit. Ein Jahr vor Baubeginn wurde eine Schottermaschine gemietet. Steine waren genug am Kolm. Es wurde so viel Schotter gebrochen und an die Straßenmeisterei verkauft, dass ein Startgeld für den Baubeginn erwirtschaftet wurde und der Rest fürs Betonieren da war. Sämtliche Grabarbeiten mussten damals händisch durchgeführt werden und das war viel: die Leitung von der Quellfassung zur Sammelstelle und bis zum Dorf. Das wurde von den Filsendorfern alles in einem Winter geleistet. Zusammenhalten und Nachbarschaftshilfe war groß geschrieben. Im Dezember 1937 floss das erste Wasser Richtung Dorf. Bald danach wurden die Hauseinleitungen der damaligen Zeit entsprechend hergestellt: In jeder Küche ein Wasserhahn, in den Ställen und im Hof einer. Die zweite Wasserleitung im Bezirk Pöggstall konnte gefeiert werden. Im Sommer 1938 fand das Filsendorfer Wasserleitungsfest statt. Das Gasthaus Eder wurde dabei zu klein.

Inzwischen war in Österreich der Nationalsozialismus. Über dem Kolm und Filsendorf sausten unzählige Flieger. Im Radio hörte man mehr von besseren Zeiten - und wer hört das nicht gern? Das Volk wurde bis in die kleinsten Dörfer von Goebbels Propaganda erfasst. Filsendorf bekam einen ,,Volksempfänger”. Das Bürgermeisteramt wanderte von Franz Schuster zu Josef Lampl in Filsendorf. Leider begann bald danach 1939 der Zweite Weltkrieg. Wieder mussten junge Bauern und Söhne einrücken, Eltern um ihre Söhne und Frauen um ihre Männer bangen. Einige von ihnen mussten ihr Leben lassen, die anderen kamen Gott sei Dank wieder zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Josef Haberl 1945 zum Bürgermeister gewählt, was für die Nachkriegsjahre bestimmt kein leichtes Amt war. Nicht lange blieben die Filsendorfer untätig. 1947 begann die Elektrifizierung der ganzen Gemeinde. Für die damalige Zeit ein gewaltiges Vorhaben und mit großer Eigenleistung verbunden. Die 21 Bauern mussten alle Lichtmaste von Moos bis Filsendorf zum Transformator und nach Eibetsberg und Weiterndorf bereitstellen. Der Transformator war ein echter Nachkriegsbau aus lauter Steinen. Trotzdem war die ganze Gemeinde stolz auf ihr Werk. Der Strom war da - 1948 gab es ein großes Lichtfest.

Nicht in Vergessenheit geraten sollte die musikalische Ader der Filsendorfer. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Musikanten im Dorf, die in der Pöbringer Kapelle mitspielten. Josef Eder, Josef Haberl, Leopold Eder und Hans Eder. Josef Aniwanter sen. spielte sogar bei der Militärkapelle. Sohn Josef und Ludwig Eder lernten Geige (beide sind gefallen). Hans Aniwanter und Heinrich Eder galten als besonders talentiert. Sie machten mit Karl Buchegger aus Kuffarn und Hans Reiter aus Loitzendorf nach Kriegsende Tanzmusik. Die kleine Kapelle errang große Beliebtheit und war weit über den Bezirk hinaus bekannt.

In den fünfziger Jahren begann die Mechanisierung der Landwirtschaft. Es gab kaum mehr fremde Arbeitskräfte in den Bauernhäusern. Motormäher, Heukreisler und -raupen, Traktore, Ladewagen und Mähdrescher mussten die Handarbeit ersetzen. Für die damalige Zeit eine gewaltige Umstellung. Die jungen Bauern hatten es noch leichter, sich daran zu gewöhnen. Für die Älteren war es nicht so einfach, vom Ochsengespann auf den Traktor umzusteigen. Dazu noch die steilen Felder und Wiesen und vor allem die schlechten Wege - die zum Teil Hohlwege waren. Schneller als erhofft, wollte man einen Güterweg bauen. Zwei Seilbahnen im Dorf waren bereits im Betrieb. Eine beim Aniwandter auf den Kolm und die zweite beim Diendorfer ins Brand. Es war nicht die gewünschte Lösung. Man konnte nur den Mist auf den Berg bringen - sonst nichts. Oben musste er wieder händisch aufgeladen und mit Ochsenwagen auseinander geführt werden. Die Zeit war reif und drängte zur Handlung.

Der neue Jagdpächter Anfang der Fünfziger, Komm.-Rat Leopold Stroh, entwickelte sich als großer Gönner und Helfer der Bauern. Leopold Stroh war bestimmt von einer höheren Vorsehung geschickt. Da er die beschwerlichen Erntearbeiten (Hohlwege, Seilbahnen) sah, unterstütze er den Bürgermeister bei den Verhandlungen mit Behörden und Politikern. Der damalige Landeshauptmann Josef Steinböck kam sogar selbst nach Filsendorf, um sich von der Dringlichkeit eines Güterweges auf den Kolm zu überzeugen.

Die Zwerggemeinde baute einen ganz massiven Güterweg - mit Packlage, wie er heute nicht mehr gebaut wird. Die Familien Michael Aniwandter und Josef Aniwanter gaben vom Kolm die Steine dazu her. Unter Mithilfe der Interessenten wurden von den Arbeitern der Agrarbehörde die Steine gebrochen. Der Kompressor dazu war einige Winter weithin in der Gegend zu hören. Die Arbeiter waren damals noch ohne Fahrzeug und mussten in Filsendorf beherbergt und versorgt werden. Die Filsendorfer mussten sich den Kolmweg wirklich hart verdienen. Dafür hat er, außer ein paar kleinen Reparaturen, seit über 40 Jahren Bestand.

1960 übernahm Johann Eder das Gemeindeamt. Der nächste Güterweg war in Eibetsberg, danach folgte der Donauweg und beim Diendorfer der Rockstall-Weg. Die Agrarbezirksbehörde war fast sesshaft geworden. Von 1957 bis 1969 wurden

7 km Güterwege gebaut, zum Großteil mit Asphaltdecke. Filsendorf wurde neu kanalisiert. Ohne der Opferbereitschaft der Bauern und der Hilfe von Komm.-Rat Stroh wären diese Leistungen unmöglich gewesen.

Kein Wunder, wenn die kleine Gemeinde in Zahlungsrückstand geraten war. Der damals junge Bürgermeister Johann Eder hatte so manche Geldsorgen. Dazu kamen noch die Eibetsberger und Weiterndorfer - die ebenfalls einen Weg wollten. Johann Eder wurde ein großer Bittsteller bei der NÖ Landesregierung. Nicht in Vergessenheit geraten sollte die Sekretärin Erna Zemsky. Sie war es, die die besten Ansuchen verfasste. Jedenfalls konnte immer wieder weitergebaut werden. Nach vier Güterwegen: Kolmweg (2,35 km), Schießgrub-Eibetsberg (1,2 km), Donauweg Weiterndorf (2,54 km) und Rockstall-Diendorfer blieb noch ein ganz wichtiger Weg übrig: der Grenzweg ,,Moaweg” zwischen der Gemeinde Filsendorf und der Gemeinde Mannersdorf-Heiligenblut. Der Weg führt rund um den Kolm und ist 3 km lang. Dieser konnte als Waldaufschließungsweg verbreitert und neu angelegt werden.

Im Zuge der Kanalisierung musste der Glockenturm seinen Platz wechseln. Ursprünglich stand er beim Glocken-Eder (Nr. 11). Die Straße war dadurch so schmal und den neuen Anforderungen nicht gerecht. Die Familie Lampl stellte daher einen geeigneten Platz in ihrem Garten zur Verfügung. Der Glockenturm wurde neu errichtet und stand nun auf einer Anhöhe, von der man die Glocke noch besser im Umkreis hören konnte. Schon in den sechziger Jahren ist das Geläut elektrisch betrieben worden.

In den achtziger Jahren wurde die Landessstraße von Weiten nach Filsendorf begradigt und verbreitert, so dass vor allem im Winter die Steigung leichter zu überwinden ist. Im Ortsbereich wurden seitens der Gemeinde und der zuständigen Ämter die Telefon- und Stromkabeln in die Erde verlegt und die Straße neu

angelegt.

1983 wurde das Haus Lampl verkauft. Die neuen Besitzer (Hofmann/Seledec) hatten keine Freude mit dem Glockenturm, der in ihrem Garten stand. So wurde nach einigen Jahren ein neuer geplant und unter Mithilfe und Spenden der Dorfgemeinschaft gebaut und im Garten der Familie Herbert Aniwanter aufgestellt. Im Mai 1996 konnte der Pfarrer von Weiten, Geistl. Rat Franz Marchart, bei einer Maiandacht den neuen Glockenturm weihen.

Seit einigen Jahren findet sich die Dorfgemeinschaft im Dezember zur Herbergsuche und im Mai zu Marienandachten bei unseren Bildstöcken zum Gebet ein. Am Faschingsdienstag wird der Faschingsausklang gefeiert und jedes Jahr am 24. Juni wird das Sonnwendfeuer am Kolm mit vielen auswärtigen Besuchern abgehalten.

Hermine Eder / Bruno Rixinger


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